Jugendliche und das Lesen.

Es ist ein Thema, über das ich wirklich dauerhaft diskutieren könnte und welches mich immer wieder zum Nachdenken bringt. Meiner Meinung nach lesen Jugendliche immer weniger. Wie oft sitze ich z.B. im Zug, wo ich selber immer  etwas zum Lesen habe, und sehe Teenager mit iPad, iPhone oder sonstigem Schnickschnack 3h lang sitzen und sie wenden nicht mal einmal die Augen davon ab. Und auch sonst – wie oft sieht man schon Jugendliche mit glänzenden Augen in eine Buchhandlung gehen? Und damals in der Schule war ich immer die Einzige die sich gefreut hat Schullektüren lesen zu dürfen bzw. ich war wohl eine der wenigen, die diese Lektüre auch wirklich von vorne bis hinten gelesen haben.

Da in meiner Familie alle sehr gerne lesen, haben wir meinen Bruder schon von Anfang an mit Büchern großgezogen. Erst habe ich ihm immer Bilderbücher gezeigt, abends aus meinen Lieblingsmärchen vorgelesen  und seit er lesen kann, bekommt er sowohl zu Weihnachten als auch zum Geburtstag ein Buch von mir. Oft noch was anderes dazu, aber immer ein Buch. Jetzt ist mein Bruder 13 Jahre alt und leider liest er seit ca. 2-3 Jahren ausschließlich die “???-Reihe”. Gut, das Wichtigste ist, dass er überhaupt liest, stimmt schon. Den 1. Harry-Potter hat er zwar auch gelesen, fand ihn auch toll, aber ich glaube, die Dicke der Bücher schreckt ihn noch ab. Auch meine liebsten Klassiker, wie “Der Herr der Diebe” oder “Tintenherz” z.B., wollte er noch nicht lesen – lieber schaut er die  Verfilmungen dazu an. Jetzt im Sommer ist er eigentlich sowieso die ganze Zeit draußen mit Freunden unterwegs, Fußball spielen oder auf einem sogenannten Waveboard fahren. Nun gut, Hauptsache er sitzt nicht dauernd vor dem PC oder so. Sonntags nimmt er dann sogar mal ein Buch in die Hand.

Worauf ich aber eigentlich hinaus möchte: dieses Jahr hat er seine erste Schullektüre gelesen – “Die Einbahnstraße” von Klaus Kordon. Habe ich damals auch gelesen, und so helfe ich ihm zur Zeit auch andauernd mit den dazugehörigen Hausaufgaben. Das Buch hat er auch brav gelesen, es interessiert ihn sogar, ABER: letztes Wochenende wollte ich mit ihm etwas lesen, da sagte er doch tatsächlich: “Boah, nee kein Bock, muss in der Schule schon die ganze Zeit über das Buch reden und reden und so’n Müll, da hab ich kein Bock mehr irgendwas zu lesen.” [Hab jetzt einfach mal seine Sprache benutzt] Ja, da haben wir das Problem, welches ich immer als Ursache sehe, dass so wenige Jugendliche lesen. Wenn man in der Schule immerzu nur dazu gezwungen wird, 1. ein Buch überhaupt zu lesen und 2. auch noch dauernd darüber zu sprechen, es bis aufs kleinste Detail auseinanderzunehmen und zu analysieren, dann vergeht nun mal einem die Lust darauf. Weil man auch unterbewusst doch das Gefühl hat, jedes Buch nach dem Lesen interpretieren zu müssen. Und wenn das nun mal 5-9 Jahre, wie in meinem Fall, dann prägt sich das halt ein und man hat eben keine Lust mehr aufs Lesen. Wie oft habe ich auch schon von Leuten gehört, die erst wieder mit Mitte 20 wirklich anfangen, Bücher für sich zu lesen. Eben deswegen.

Versteht mich nicht falsch, ich sage bestimmt nicht, dass man Schullektüren aus dem Lehrplan streichen sollte, nie und nimmer. Sonst würde ja niemals jemand Schillers oder Goethes Werke lesen – ganz zu schweigen von Kafka. Aber ein paar “normale” Bücher zwischendurch, die man nur zum Spaß liest, ein bisschen weniger Interpretieren und Analysieren… das wäre meiner Meinung nach schon ein guter Anfang.

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